Puma in Süd-Afrika II



Südafrikaner hatten lange Zeit ein großes Interesse an Sportwagen, insbesondere an im Lande produzierten Sportwagen. Fahrzeuge wie der Protea, GSM Flamingo, Dart, Puma und nicht zuletzt die Cobra machten diese Träume für viele Sportwagenenthusiasten wahr.

Ein paar dieser Fahrzeuge könnten als echte im Lande produzierte Serienfahrzeuge bezeichnet werden. Die Flamingos und Darts waren dies auch fast, aber nur ein Fahrzeug erfüllte alle Anforderungen wie Heizung, Lüftung und abschließbare Türen, dies war der Puma GT.

Ursprünglich entworfen wurde er von einem Italiener namens Rino Malzoni, der in Brasilien lebte und arbeitete. Basierend auf einer VW Plattform entwarf er einen sehr schönen Sportwagen.

Volkswagen Brasilien hatte keine Bedenken, Teile und Komponenten an die Firma Puma zu liefern, in deren Fabrik bis zu 30 Fahrzeuge im Monat produziert wurden.

Die Verbindung nach Südafrika entstand, als ein Geschäftsmann namens Vic Borcherds auf den brasilianischen Puma aufmerksam wurde. Nachdem bereits der Käfer in Südafrika mit vielen lokalen Teilen produziert wurde, dachte Vic er könne den Wagen auch im Lande produzieren.

Kurz entschlossen importierte er einen goldfarbenen Puma um den Markt zu testen.

Leider war die Qualität der brasilianischen Reifen so schlecht, dass er während eines heftigen Regens die Kontrolle verlor und den Wagen um eine Leitplanke wickelte. Es ist nicht klar, ob er weitere Fahrzeuge importierte.

Da der brasilianische Puma auf dem Chassis des Karmann Ghias aufgebaut wurde, musste das Design der Karosserie durch Puma in Brasilien geändert werden. Ein neues Käfer Chassis wurde gekauft und nach Brasilien geschickt um die Formen für die Karosserie anzupassen.

Einige Monate später kam der Wagen im Hafen von Durban an. Zu dieser Zeit war mein Onkel Abel Pienaar bereits stark in die Verhandlungen und die Einrichtung des südafrikanischen Montagewerks involviert.

Er brachte Vic zum Hafen, um den neuen Wagen abzuholen. Auf dem Heimweg folgte er ihm. An einer Kreuzung sah er, wie die Bremslichter aufleuchteten, aber der Wagen nicht anhielt. Im nächsten Moment sah er, wie Vic in einen Reifenhandel einbog. Hier erhielt der Puma einen Satz neuer Dunlop Sport Reifen. Vic erzählte meinem Onkel, dass der Wagen einfach über die Kreuzung rutschte, obwohl er bremste.

Dieser erste Puma, angeblich der erste rechtsgelenkte Puma weltweit wurde in einer leuchtend blauen Metallic Farbe lackiert und sah wirklich überwältigend aus. Der Wagen unterschied sich von den späteren Pumas dadurch, dass das Chassis höher auf der Bodengruppe montiert wurde als bei den späteren Pumas, bei denen dadurch die Kopffreiheit um etwa 50 mm eingeschränkt war.

Ein zweites gebrauchtes Chassis wurde nach Brasilien geschickt um die Form zu modifizieren.

Währenddessen hatte die Fabrik viele Probleme mit der Regierung bezüglich der lokalen Wertschöpfung. Es wurde nur eine Genehmigung für die Produktion einer begrenzten Anzahl von Fahrzeugen, basierend auf den importierten Teilen erteilt. Der Rest musste eine größere Wertschöpfung beinhalten, speziell die Scheiben wurden lokal gefertigt.

Insgesamt wurden 20 Fahrzeuge unter diesen Voraussetzungen gefertigt, bevor dann die offiziellen Regularien bezüglich der lokalen Wertschöpfung in Kraft traten.

Die 20 Fahrzeuge wurden mit 13 Zoll Magnesium Felgen aus brasilianischer Fertigung ausgeliefert und sogar die Bezugsstoffe waren importiert.

Die Scheiben bereiteten viel Kopfzerbrechen, da die lokale Produktionsfirma eine sehr hohe Sicherheit verlangte, bevor sie die Formen produzierte. Dann streute auch noch Volkswagen Südafrika Sand ins Getriebe, indem sie jegliche Teilelieferung an die Firma Bromer Motor Assemblies, wie die Puma Fabrik nun hieß, ablehnte.

Die Fabrik war durch neue Zulassungsbedingungen daran gebunden, nur neue Teile für die Fertigung zu verwenden. Puma Brasilien war wohl in der Lage Teile zu liefern, aber durch die lokalen Regularien war dies nicht möglich.

Nachdem Abel Pienaar eine unabhängige VW Werkstatt besaß, wurde mit ihm eine Vereinbarung getroffen, neue 1600er Käfer zu kaufen und diese zu zerlegen. Die Karosserien, Vergaser, Verteiler, Auspuff, Sitze und Reifen wurden dann als Teile verkauft.

Unser Familien-Wagen war solch ein Fahrzeug, gekauft 1974. Das Chassis wurde dann in die Fabrik geliefert, dort gekürzt und mit einer Pumakarosserie vervollständigt.

Die Pumas wurden jeweils in 5er Lots gefertigt. Die meisten Probleme wurden durch die Türdichtungen verursacht. Es wurden jeweils 5 Arbeitstage benötigt um die Türen sauber einzupassen.

Die Firma erfüllte natürlich auch Sonderwünsche und einige sonderbare / verrückte Pumas verließen die Fabrik. Generell wurde der Wagen als zu langsam empfunden, speziell wenn er mit dem damals gebauten RX2 verglichen wurde. Graham Lavreau, damaliger Produktionsleiter, erinnert sich an folgende Umbauten: Scheibenbremsen, RX2 bzw. Ford 5L Motoren und sogar ein Porsche 6-Zylinder inklusive Getriebe.

Selbst 2 Wagen mit Puma Motoren wurden produziert.

Puma in Süd-Afrika I